Orte ohne besondere Lagequalitäten – Versuch einer Neubewertung der ISOS-Ortsbildaufnahmen von 1981
Ausstellung. Architektur
Das Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) entstand als Reaktion auf das rapide Städtewachstum der Nachkriegszeit und die daran geknüpfte Sorge um den Verlust historischer Siedlungsstrukturen. Das Inventar wird in den 1970er-Jahren angelegt, um systematisch die „wertvollsten“ Ortsbilder des Landes zu identifizieren und deren Bewahrung zu sichern.
Zu einem Ortsbild gehören neben den blossen Bauten auch Strassenverläufe, Plätze, Gärten, Parks und Kulturland. Zur Beurteilung wurden zahlreiche fotografische Aufnahmen aus dem Fussgänger- und Strassenraum gemacht. Der Bund beurteilte 6000 Ortsbilder und befand ca. 1200 von ihnen als „national bedeutsam“. Das ISOS spiegelt insofern den Schweizer Blick der 1970er-Jahre auf das eigene Land wider. Es bannt ein Idealbild der Schweiz, mit pittoresken mittelalterlichen Städten und von der Landwirtschaft geprägten idyllischen Dörfern.
Die Agglo-Gemeinden hatten in diesem Bild der Schweiz keinen Platz. Die Ölkrise, die Warnungen des Club of Rome und das Europäische Denkmalschutzjahr von 1975 führten in der Bevölkerung zunehmend zu einer Abschwächung der Wachstumsmentalität und einer Entfremdung gegenüber der zeitgenössischen Architektur, die gerade in den expandierenden Agglomerationsgemeinden stark vertreten war. Die Agglo galt als hässlich, unwirtlich, störend und wurde bezüglich ihrer baulichen Entwicklung der Raumplanung und nicht dem Denkmalschutz überlassen. Die Gemeinden, in denen also die meisten Menschen lebten und die am stärksten wuchsen, wurden im Rahmen der Inventarisierung als “Orte ohne besondere Lagequalitäten” deklariert.
Die von Gerold Kunz und Manuel Medina González kuratierte Ausstellung unternimmt nun am Beispiel der Luzerner Agglomerationsgebiete Emmen, Emmenbrücke, Horw und Kriens eine Neusichtung des ISOS-Fotobestandes: Welche Kriterien galten damals? Welche Wirkung hatten diese Einstufungen auf die weitere Entwicklung der Orte? Auf das Selbstverständnis der Menschen, die dort leben? Ermöglicht ein Blick zurück in das fotografische Inventar etwa eine Neubewertung der Agglomeration?
Ergänzt wird diese Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Architekturprojekten aus den Luzerner Gemeinden, die neue Tendenzen im Umgang mit der Agglomeration zeigen.
Das Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) entstand als Reaktion auf das rapide Städtewachstum der Nachkriegszeit und die daran geknüpfte Sorge um den Verlust historischer Siedlungsstrukturen. Das Inventar wird in den 1970er-Jahren angelegt, um systematisch die „wertvollsten“ Ortsbilder des Landes zu identifizieren und deren Bewahrung zu sichern.
Zu einem Ortsbild gehören neben den blossen Bauten auch Strassenverläufe, Plätze, Gärten, Parks und Kulturland. Zur Beurteilung wurden zahlreiche fotografische Aufnahmen aus dem Fussgänger- und Strassenraum gemacht. Der Bund beurteilte 6000 Ortsbilder und befand ca. 1200 von ihnen als „national bedeutsam“. Das ISOS spiegelt insofern den Schweizer Blick der 1970er-Jahre auf das eigene Land wider. Es bannt ein Idealbild der Schweiz, mit pittoresken mittelalterlichen Städten und von der Landwirtschaft geprägten idyllischen Dörfern.
Die Agglo-Gemeinden hatten in diesem Bild der Schweiz keinen Platz. Die Ölkrise, die Warnungen des Club of Rome und das Europäische Denkmalschutzjahr von 1975 führten in der Bevölkerung zunehmend zu einer Abschwächung der Wachstumsmentalität und einer Entfremdung gegenüber der zeitgenössischen Architektur, die gerade in den expandierenden Agglomerationsgemeinden stark vertreten war. Die Agglo galt als hässlich, unwirtlich, störend und wurde bezüglich ihrer baulichen Entwicklung der Raumplanung und nicht dem Denkmalschutz überlassen. Die Gemeinden, in denen also die meisten Menschen lebten und die am stärksten wuchsen, wurden im Rahmen der Inventarisierung als “Orte ohne besondere Lagequalitäten” deklariert.
Die von Gerold Kunz und Manuel Medina González kuratierte Ausstellung unternimmt nun am Beispiel der Luzerner Agglomerationsgebiete Emmen, Emmenbrücke, Horw und Kriens eine Neusichtung des ISOS-Fotobestandes: Welche Kriterien galten damals? Welche Wirkung hatten diese Einstufungen auf die weitere Entwicklung der Orte? Auf das Selbstverständnis der Menschen, die dort leben? Ermöglicht ein Blick zurück in das fotografische Inventar etwa eine Neubewertung der Agglomeration?
Ergänzt wird diese Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Architekturprojekten aus den Luzerner Gemeinden, die neue Tendenzen im Umgang mit der Agglomeration zeigen.
Eintrittspreis
10 / 8 CHF



